Konfliktbereit und kooperativ

Realitaet und Rechtswidrigkeit der gegenwaertigen TransporthaftDer Strafverteidiger hat die Interessen seines Mandanten stets engagiert zu vertreten. Je nach den Erfordernissen des Einzelfalles mag die Strategie defensiv oder offensiv ausfallen. In jedem Fall hat das aber unbedingt selbstbewusst und kompetent zu erfolgen. Jeder Verdächtige ist bis zur abschließenden und rechtskräftigen Feststellung stets als unschuldig anzusehen und zu behandeln.

Diesem Grundsatz – dem Grundsatz der Unschuldsvermutung – muss der Verteidiger immer volle Geltung verschaffen. Der Mandant ist auch oftmals vor schweren Vorverurteilungen durch die Medien zu schützen. Das Mitteilungsverhalten und die Ermittlungstätigkeit der Polizei, der Staatsanwaltschaft und der Gerichte kommt nicht selten einer Vorverurteilung gleich und gibt Anlass zum Einschreiten.

Ich setze mich aktiv und konsequent für die Beachtung der Unschuldsvermutung ein. Gerade in Fällen, in welchen von vornherein „doch sowieso alles klar“ zu sein scheint. In diesen Fällen benötigt der Mandant den ganz besonderen Schutz seines Verteidigers.

Kommt es aber zur Verurteilung, muss die Strafe stets tat- und schuldangemessen sein. Sie darf sich nicht an öffentlichen Meinungen ausrichten. Dabei wird der Verteidiger mal als „unerschrockener Kämpfer für die Menschenrechte“ gefeiert und mal als „Helfer und Kumpan von Straftätern aggressiv angegangen“.* Das muss man aushalten und darf sich nicht beirren lassen. Zur Vermeidung von Missverständnissen: Das gilt auch in so genannten „Bagatellsachen“.

In diesem Spannungsfeld wird der Strafverteidiger vor allem eines tun: Er wird sich diese Gegensätze bewusst machen und sich ihnen stellen. Dazu gehört aber auch die Bereitschaft zur Kooperation. Ich werde mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln die Nachteile, die auf Seiten der Betroffenen bestehen, auszugleichen versuchen.

Bei der Verteidigung in Jugendsachen gilt es, grundsätzlich gegenüber Eltern und anderen Pädagogen unabhängig zu bleiben. Die pädagogische Funktion des Verteidigers sehe ich in diesen Fällen insbesondere darin, dem Mandanten erfahrbar zu machen, dass der Rechtsstaat jedem Bürgern hilft, seine Rechte zu wahren. Der Verteidiger wird sich in der Regel abwägend und zurückhaltend verhalten. Wenn es erforderlich ist, wird er aber den Konflikt nicht scheuen.

* Gatzweiler, Norbert, Vom Selbstverständnis der Strafverteidigung, AnwBl 2005, 663ff.